Bühnenbau
Das Bühnenbild wird jedes Jahr komplett neu errichtet - quasi aus dem Nichts. Dabei sind handwerkliches Geschick und Einfallsreichtum gefragt.


Nachdem das Bühnenbild zusammen mit der Regie geplant wurde und zunächst nur auf Papier oder im Modell vorhanden ist, beginnt ab März der Bühnenbau. Dazu treffen sich jeden Samstag um neun Uhr gestandene Männer und wackere Frauen. Bis zur Premiere macht das etwa fünfzehn Samstage an denen im Schlossgraben den ganzen Tag geschraubt, gesägt und gehämmert wird.

Nach der Lagebesprechung gehen die Bühnenbauer ans Werk und bleiben - wie es ihre Zeit zulässt - manchmal nur ein paar, wenn es besonders Spaß macht auch schon mal bis zu zehn Stunden. Dazwischen gibt es Zeit zum gemütlichen Beisammensein beim Frühstück, beim leckeren Mittagstisch von Hausmeisterin Claudia Knobel oder nach Feierabend beim „Garagenbier“ in oder vor der vereinseigenen Werkstatt.

Je näher die Premiere rückt, desto öfter werden während der Woche Sonderschichten eingeschoben – es gibt ja zum Glück einige Rentner unter den Bühnenbauern und zunehmend auch Jugendliche, die die Zeit hierfür erübrigen können. Es ist schon erstaunlich, welche Mengen an Material in das vergängliche Szenario im Schlossgraben gesteckt werden.

Zwei Kilo Nägel, 25 Kilo Schrauben, 120 Quadratmeter Bretter, 100 Quadratmeter Spanplatten und 250 laufende Meter Balken wurden beispielsweise für „Arsen und Spitzenhäubchen“ verschafft. Richtig harte Arbeit, könnte man meinen – ist es auch! Aber, versichern die Bühnenbauer, sie macht unheimlich viel Spaß und Freude. Es ist einfach toll ein gelungenes Werk zu bewundern.

Wenige Stunden nach dem allerletzten Schlussapplaus rücken die Bühnenbauer noch einmal an. Jetzt wird abgebaut. Hier helfen die Sänger von der Abteilung Chor tatkräftig mit. Schließlich ist alles abgebaut, sortiert und fein säuberlich eingelagert, um im nächsten Jahr wieder auf's Neue verwendet zu werden.


Bühnenbild 1961 - Der Postmichel von Esslingen :: Die Anfänge des Bühnenbaus waren noch recht schlichtBühnenbild 1976 - Kleider machen Leute :: Spätere Bühnenbilder wurden sehr aufwändig gebautMeist wurde vorher vom Bühnenbild ein Modell angefertigt – von links: Werner Hemberger, Siegfried Rank, Günther Schmidt, Karl HübnerHorst Meingast (1927-2000) :: Als Spieler und Bühnenbauer gleichermaßen gefragt war Horst Meingast. Mit seinen Schiffsmodellen brachte es der begabte Bastler zu einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.Eugen Kreß (1924-2000) :: Der Hüne mit der Baskenmütze war ein Mann der ersten Stunde und der Erfinder des Zuschauerdaches. Auch waren es nicht zuletzt seine Bühnenbilder, die den Freilichtspielen die steigenden Besucherzahlen bescherten. Bis ins hohe Alter war er beratend für die Spiele da.Eugen Kreß (links) – gemeinsam mit den anderen an Theaterlösungen tüftelnHäuser bauen – diesmal hoch hinausDie Bühnenbaumannschaft hat sich ein Vesper verdientDas Bühnenbild von 2005 :: „Der Bauer als Millionär“ war dem Papiertheater des 19. Jahrhunderts nachempfunden, eine Riesenaufgabe auch für den bewährten Bühnenmaler Michael Koszt:<br />Noch ist’s ein Gerippe.weitere Bilder anzeigenvorige Bilder anzeigenDer Maler legt Hand an :: Michael Koszt, der gebürtige Ungar, lebt seit vierzig Jahren in Neuenstadt. Er ist Kunstmaler und Grafiker. Sein Stil prägt auch seit vielen Jahren den öffentlichen Auftritt der Freilichtspiele durch zahlreiche Theaterplakate.Jetzt wird auf dem Gerüst weitergearbeitet.Fertig


Die verantwortlichen Bühnenbauer
In der Geschichte der Freilichtspiele Neuenstadt waren bisher folgende Personen für den Bühnen­bau gesamtverantwortlich
(chronologisch)

- Eugen Kress
- Horst Meingast
- Peer Friedel
- Brigitte Klein-Wallner